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Ninja

Kundschafter als Werkzeug des Krieges

Wenn es darum ging, feindliche Stellungen zu beobachten oder im Lager der Gegner zu spionieren, brauchte man mutige Agenten, die ohne zu zögern bereit waren ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Eine Aufgabe für die Shinobi, besser bekannt als Ninja oder auch Ninjutsuka.
Ursprünglich als Kundschafter eingesetzt, entwickelten sie sich im Laufe der zahlreichen Kriege zu hochspezialisierten Agenten, die eigene Clans gründeten und ihre Fähigkeiten von Generation zu Generation verbesserten und weitergaben. Sie waren sowohl Spione, Saboteure und Geheimagenten als auch Auftragsmörder und Sondereinsatzkommando.
Doch auch Spionage-Abwehr und Leibwächterdienste wurden von Ninja übernommen. Der Ursprung des Kriegsspionagewesens liegt in China, entwickelte sich aber in Japan zu einer neuen, eigenständigen Lehre. Erstmals soll Prinz Shotoku Taishi ( 593–622 ) gezielt Spione eingesetzt haben. Während der Heian-Periode ( 794–1192 ) etablierte sich das Kundschafterwesen als unverzichtbarer Teil der Kriegsstrategien.

Elitekämpfer und Spione

Der Ninja musste mit jeder erdenklichen Situation fertig werden, sich in der Wildnis genauso wie in einer großen Stadt zurechtfinden. Er musste unter Umständen seine Wunden selbst versorgen, Heilmittel aus Pflanzen herstellen oder Gifte mischen. Ein Ninja musste Spuren lesen, sich ohne Karten orientieren oder das Verhalten von Tieren deuten. Ebenso wurde die Naturbeobachtung gelehrt, um zum Beispiel möglichst genau das Wetter vorherzusehen. Er musste in der Lage sein, Hunger und Durst auszuhalten und im schlimmsten Falle, mehrere Tage in einem Versteck bei brütender Hitze oder eisiger Kälte ausharren.
So wurde der berühmte Feldherr Uesugi Kenshin von einem Attentäter getötet, der mehrere Tage auf einem Klo versteckt, auf ihn wartete.

Ein hervorragendes Gedächtnis war ebenso Vorraussetzung für eine erfolgreiche Spionage, wie die Fähigkeit Zeichnungen, Lagepläne und Karten anzufertigen. Auch sollte er über technische Kenntnisse und handwerkliches Geschick verfügen, da er Schlösser öffnen musste oder seine Waffen und Ausrüstung selbst anfertigte. Ein guter Ninja sollte in der Lage sein, über 100 km am Tag zu Fuss zurückzulegen. Mit voller Ausrüstung schwimmen, tauchen oder klettern war Pflichtübung. Er sollte die regionalen Dialekte der Einsatzorte beherrschen, über eine umfassende Allgemeinbildung verfügen und sich perfekt dem jeweiligen sozialem Umfeld anpassen können. Beliebte Tarnungen der Ninja waren Bettelmönch oder Hausierer. Wurde er entdeckt und gefangengenommen, erwartete ihn nicht nur der Tod, sondern meist auch schlimmste Folter, um seine Pläne und Auftraggeber in Erfahrung zu bringen.

Die Ninja nutzten viele Möglichkeiten dem Feind zu schaden. Wenn es gelang feindliche Nachrichten abzufangen, wurden diese geändert und wieder auf den Weg geschickt. Dadurch konnten Aktionen des Gegners manipuliert werden oder es wurde eine völlige Verwirrung hervorgerufen. In einem vom Feind besetzten Gebiet, versuchte man die ansässige Bevölkerung zum Widerstand anzustiften. Durch falsche Informationen und Gerüchte ließen sich unter Umständen sogar Meutereien und Aufstände unter den feindlichen Truppen provozieren.

Schon als Kinder begannen die Shinobi ihre extrem harte, jahrelange Ausbildung in den Disziplinen der Waffenfertigkeiten, der verdeckten Ermittlung und der absoluten Körperbeherrschung. Im Ninjutsu, der "Kunst des Verborgenen" stand nicht, wie heute weltweit in unzähligen Schulen gelehrt wird, das Kämpfen im Mittelpunkt, sondern die Kenntnisse der Tarnung und Spionage.
Während das Ninjutsu die Technik und das Wissen beinhaltet, geht das Ninpō darüber hinaus und vermittelt den esoterisch-geistigen Weg der Ninja.
Das Bansenshūkai (wörtlich: "Zehntausend Flüsse münden in das Meer"), ist eine schriftliche Sammlung von Regeln und Taktiken. Verfasst von Fujibayashi Yasutake, im Jahre 1676, behandelt das mehrbändige Werk Philosophie, Astrologie, Waffen, Kampfkunst und Tarntechniken. Weitere Aufzeichnungen sind das Shoninki und das Ninhiden.

Ninja-Waffen

Ihr Waffenarsenal umfasste nicht nur die üblichen Samurai-Waffen, wie Schwert, Bogen und Speer, sondern auch ein großes Sortiment an Spezial-Waffen und Ausrüstung. Gifte, Sprengstoffe, Brandbeschleuniger, Rauch- und Blendpulver wurden nach geheimen Rezepten selbst hergestellt. Als Fernwaffen nutzte man kleine Armbrüste, zerlegbare Bögen und mit dem Aufkommen der ersten Feuerwaffen, auch Pistolen und Gewehre. Untrennbar mit den Ninja verbunden sind die versteckten Wurfwaffen wie Shuriken und Shaken.
Ihre Schwerter waren nicht gerade, sondern glichen im Aussehen denen der Samurai, waren aber oft mit Geheimverstecken für Gifte, Sprengstoffe oder Wurfwaffen versehen.
Das heute im Handel angebotene, sogenannte "Ninja-Schwert" mit gerader Klinge, ist wohl eher ein Fantasieprodukt, es entspricht jedenfalls nicht den historischen Abbildungen.
Auch ist nicht überliefert, dass der Ninja sein Schwert auf dem Rücken trug. Gelegentlich wurden gerade Klingen als "versteckte Schwerter" in Bambusstöcken mitgeführt. Diese Bambusstöcke dienten nebenbei als Blasrohre für vergiftete Pfeile, oder wurden als eine Art Schnorchel verwendet, um sich unter Wasser zu verstecken. Jedoch ist anzunehmen, dass ein Ninja keine besonderen Waffen bei sich trug, denn bei einer Kontrolle durch gegnerische Sicherheitskräfte, wäre er nur allzu schnell enttarnt worden. Bis zum allgemeinen Schwerter-Verbot war es jedoch üblich, dass praktisch jedermann ein Schwert bei sich hatte.

Nach Bedarf, wurden als weitere Ausrüstung, Gerätschaften zum Klettern, wie Wurfanker und zerlegbare Leitern verwendet.
Die schwarzen Anzüge sind wahrscheinlich eine spätere Erfindung oder wurden nur sehr selten getragen. Meist wurde eine unauffällige Alltagskleidung benutzt. Allerdings sind Ninja-Rüstungen bekannt und in einigen Sammlungen zu bewundern.
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Magische Kräfte ?

Ihre Künste waren so legendär, daß man ihnen fast übermenschliche Fähigkeiten nachsagte. So sollten sie sich unsichtbar machen können, indem sie mit der Umgebung eins wurden, Gedanken lesen und Kampftechniken wie kein anderer beherrschen. Es wurde auch behauptet, sie könnten ihre Gliedmaßen ausrenken um sich von Fesseln zu befreien, steile Mauern wie eine Spinne hochklettern, sich völlig geräuschlos bewegen und durch eine spezielle Gangart, die Richtung ihrer Flucht nicht erkennen lassen.
Neben den hypnotischen Fähigkeiten sind auch die Kujiin, die magischen Fingerzeichen berüchtigt. Sie sollen Menschen und Tiere beeinflussen können. Grundlage der Kujiin waren die Mudra, die aus Indien stammenden Hand-Gesten, die nicht nur eine symbolische Bedeutung haben, sondern auch auf den Organismus wirken sollen. Im Ninjutsu gab es neun grundlegende Finger- oder Hand-Gesten.

Mythologie

In der Mythologie der Ninja spielte der Tengu eine zentrale Rolle. Die Tengu waren dämonische aber meist freundliche Wesen mit Schnabel und Flügeln (Krähen-Tengu [Karasu Tengu] ) oder langer Nase. Sie lebten versteckt in den Bergwäldern und waren Meister im Schwertkampf. Mitunter werden die Tengu auch als Urahnen der Ninja angesehen.

Die Ninja-Clans

In den Ninja-Familien herrschte eine strenge Rangfolge. An der Spitze eines Clans stand der Jonin, das Familienoberhaupt, gefolgt von den Chunin, den Verbindungsoffizieren und den Genin, den eigentlichen Ninja.
Die Ninja-Clans siedelten von Koga im Norden bis zur südlichen Kii-Provinz und Himeji im Südwesten. Das Zentrum des Ninjutsu lag auf der Hauptinsel Honshu. Mit der Zeit entwickelten die Clans verschiedene Stilrichtungen und gründeten Schulen, die gegeneinander konkurrierten. Die bekanntesten dieser Schulen waren die Koga-ryu und die Iga-ryu.
Die Clans der Ninja bewahrten ihre Geheimnisse über Generationen bis in die Gegenwart.

Berühmte Führer der Ninja-Clans waren:
Hattori Hanzo Masashige (1541-1596), er diente dem Tokugawa-Clan
Momochi Sandayu und Fujibayashi Nagato.
Weitere legendäre Ninja waren zum Beispiel:
Fuma Kotaro - (ein oder mehrere Personen dieses Namens), diente dem Hojo-Clan
Sarutobi Sasuke - ein Ninja aus Koga

Die Ninja führten oft ein Doppelleben und gingen einer eher unauffälligen Beschäftigung nach. Sie waren nicht, wie immer wieder behauptet wird, die Todfeinde der Samurai. Sie waren ein wichtiger Bestandteil erfolgreicher Strategie. Es gab auch Samurai die, sozusagen "undercover", als Ninja tätig waren. Toyotomi Hideyoshi, mächtigster Kriegsherr seiner Zeit, soll in seiner Jugend die Kunst des Ninjutsu erlernt haben.
In der Öffentlichkeit verständigten sich Ninja untereinander mit ihren geheimen Fingerzeichen.
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Kunoichi, die weiblichen Ninja

Neben den Männern wurden auch Frauen als Ninja ausgebildet. Spionage, Nahkampf und vor allem die Abwehr eines, in der Regel stärkeren, männlichen Gegners waren wesentliche Bestandteile ihres Trainings. Bei ihnen lagen die Schwerpunkte allerdings mehr im Bereich der psychologischen Manipulation. Besonderer Wert wurde auf feine, gesellschaftliche Umgangsformen und eine umfassende Allgemeinbildung gelegt.
Shimma-kunoichi waren weibliche Mitglieder der Ninja-Clans, die eine ähnliche Ausbildung absolvierten wie die Männer. Der berühmte Feldherr Takeda Shingen ließ ein ganzes Netzwerk weiblicher Agenten aufbauen.


Ninja als Mythos

Über das tatsächliche Leben der Ninja gibt es nur sehr wenig gesicherte Fakten. Es wurden praktisch keine schriftlichen Aufzeichnungen gemacht. Viele bekannte Ninja sind historisch nicht belegbar, und es ist nicht klar ob es ein oder mehrere Personen gleichen Namens waren. Abenteuerliche Erzählungen von mythischen Ninja und ihren unglaublichen Künsten haben über die Jahrhunderte ein romantisiertes und verzerrtes Bild entstehen lassen. Über Japans Grenzen hinaus verbreiteten sich Mythen und Legenden um die Schattenkrieger und eine Mischung aus Fantasie und Realität bot immer wieder Stoff für Romane und seit den 1950er Jahren auch für Filme. In den 60er und 80er Jahren gab es sogar einen regelrechten Ninja-Boom.




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Shinobi im Einsatz
© welt der samurai
Das Bild, dass wir heute vom Ninja haben, ist stark vom Film beeinflusst. Über die Schattenkrieger sind nur wenige historisch gesicherte Fakten überliefert worden.


Shinobi als Händler verkleidet
© welt der samurai
Eine beliebte Verkleidung der Ninja war die des Hausierers oder Händlers (Shonin). So fiel er als Fremder nicht auf und kam leicht mit Leuten in Kontakt.

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